Es gibt Begegnungen, die entstehen rund um eine Flasche. Und dann gibt es jene, die weiter gehen – bis zum Ursprung. Bis zu dem Punkt, an dem Wein aufhört, etwas zu sein, das man einfach probiert, und beginnt, etwas zu werden, das man versteht, das man erlebt.
Genau deshalb sind wir kürzlich ins Veltlin gefahren. Genauer gesagt nach Montagna in Valtellina. Nicht nur, um zu degustieren, sondern um zu sehen, zu fühlen, zu begreifen. Um wirklich in die Welt von Marco Ferrari einzutauchen.
Seine Kellerei ist genau wie seine Weine: reduziert auf das Wesentliche, ohne Ablenkung. Keine überflüssige Ästhetik, keine Kompromisse. Nur das, was wirklich zählt: Materie, Zeit, Handwerk. Alles ist auf das Minimum reduziert – und genau dort passiert alles.



Marco selbst ist genauso: direkt, intuitiv, kompromisslos fokussiert. Sein Weg beginnt in Franciacorta, in der Provinz Brescia, seiner Heimat, und führt ihn weit hinaus – bis ins Rhône-Tal, wo er mit einigen der größten Syrah-Winzer arbeitet. Unter anderem mit Franck Balthazar, Pierre Gonon, Guillaume Gilles und Thierry Allemand. In Cornas verankert er sich tief in der authentischen Seele des Weins.
Dann die Entscheidung: klar und konsequent. Die Rückkehr nach Italien – und die Suche nach der eigenen Stimme im Veltlin, mit dem Nebbiolo.
Eine starke Entscheidung. Und heute im Glas vollkommen nachvollziehbar.
Wir haben die Weine direkt aus dem Fass verkostet. Momente, die sich kaum in Worte fassen lassen. Der Wein ist noch im Werden: Er ist noch nicht das, was er sein wird – aber er wird es gerade. Er entwickelt sich, wächst, strukturiert sich, nimmt Form an. Eine schwebende, fast intime Phase.
Und dennoch ist die Richtung bereits klar. Und wenn die Emotion schon heute so intensiv ist, fragt man sich unweigerlich, was diese Weine mit der Zeit werden.
Energie. Vertikalität. Präzision.
Das Holz ist da, aber es flüstert. Es begleitet, ohne sich aufzudrängen. Alles ist gespannt, lebendig, klar definiert. Weine, die keine Kompromisse suchen, sondern ein echtes, tiefes Gleichgewicht.
Und dann die Weinberge.




Oder besser gesagt: Terrassen, in den Berg gemeißelt. Extreme Steillagen, Trockenmauern, reine Handarbeit. Hier kontrolliert man die Natur nicht – man folgt ihr. Man respektiert sie. Man stellt sich ihr jeden Tag.
Es ist eine extreme Form des Weinbaus. Und man spürt es.
Im Glas wird es zu Spannung, Mineralität und Tiefe.
Marco bewirtschaftet etwas mehr als zwei Hektar. Er gehört zu den Pionieren einer konsequent gelebten biodynamischen Arbeit im Veltlin – keine Theorie, sondern tägliche Praxis. Seine Parzellen, oft alt und klein, liegen in den Unterzonen Sassella und Inferno.
Er produziert rund 9.000 Flaschen im Jahr. Spontane Gärung, minimale Eingriffe, maximale Präzision. Kleine Mengen – aber mit einer großen Vision: eine klare, wiedererkennbare und zeitgemäße Identität zu schaffen.
Ein Veltlin, das nicht zurückblickt, sondern nach vorne. Das authentische Stimmen braucht – Menschen, die diese extremen Lagen wirklich kennen und gleichzeitig mit der Welt und den Weintrinkern im Dialog stehen.
Der Tag endete – wie so oft – am Tisch.
Und auch dort enttäuscht das Veltlin nicht. Im Gegenteil. Besonders nicht, wenn man im „Trippi“ in Sondrio sitzt – einem echten Treffpunkt für Winzer, Liebhaber und Genießer.
Am Tisch fügt sich alles zusammen: die harte Arbeit im Weinberg, die Entscheidungen im Keller, die Vision.
Die Weine von Marco Ferrari in die Schweiz zu bringen bedeutet für uns genau das: Distanzen zu überbrücken. Eine direkte Verbindung zu schaffen zwischen denen, die den Wein machen, und denen, die ihn trinken.
Und ganz ehrlich: Nebbiolo ist einer unserer großen Favoriten. Von den Langhe über das Alto Piemonte bis ins Veltlin – eine Rebsorte, die nie aufhört zu überraschen.
Ohne Filter.
Ohne Konstruktion.
Nur Wein.
Und die echten Geschichten, die er erzählt.
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