Aymé Vadim: eine Entdeckung, auf die wir lange gewartet haben

Es gibt Produzenten, die einfach ins Portfolio kommen. Und dann gibt es jene, auf die man wartet. Man verfolgt sie über Jahre, probiert ihre Weine, wann immer sich die Gelegenheit bietet, behält sie im Auge. Und wenn es schließlich gelingt, ein paar Flaschen zu bekommen, hat man das Gefühl, etwas wirklich Besonderes entdeckt zu haben. Aymé Vadim ist genau das.

Nach langer Zeit, in der wir seine Arbeit verfolgt haben, ist es uns gelungen, eine Mikro-Allokation zu erhalten.
Sehr wenige Flaschen, aber genug, um dieses Projekt mit denen zu teilen, die – wie wir – eine intimere, weniger offensichtliche, tiefere Burgund lieben. Eine Geschichte außerhalb der üblichen Muster.

Vadim stammt nicht aus einer Winzerfamilie. Er hat einen PhD in Molekularbiologie und eine lange Karriere in der Forschung hinter sich, mit Stationen bei Institutionen wie Harvard, dem Max-Planck-Institut und sogar dem Pentagon, bevor er sich entschied, sein Leben komplett zu verändern und in Beaune bei null anzufangen. Und das spürt man. Denn seine Weine vereinen handwerkliche Sensibilität mit einer fast obsessiven Präzision.


Nichts ist improvisiert, nichts dem Zufall überlassen.


Ein radikales, aber vollkommen klares Projekt

Die Produktion ist winzig: etwa 2.500 Flaschen insgesamt, verteilt auf 8–9 Weine. Das bedeutet, dass es sich in den meisten Fällen um rund 300 Flaschen pro Cuvée handelt. Doch diese Zahl erzählt nur einen Teil der Geschichte. Jeder Wein entsteht aus einem einzigen Barrique. Jede Flasche wird von Hand direkt aus dem Fass gefüllt. Ein Grad an Handwerklichkeit, der nahezu rituell ist. Jede Cuvée ist eine eigene kleine Welt.


Mehr tun, um weniger einzugreifen

Was uns am meisten beeindruckt, ist vielleicht genau dieses Paradox:
sehr viel zu tun, um möglichst wenig einzugreifen.

Seine Philosophie ist zutiefst handwerklich, geprägt von Biodynamik, Fruchtreinheit und dem nahezu vollständigen Verzicht auf Eingriffe. Doch nichts daran ist ideologisch oder ungenau. Im Gegenteil: Alles wird beobachtet, gemessen, analysiert – mit beinahe manischer Präzision. Jede Phase wird mit der Aufmerksamkeit eines Chemikers begleitet, mit ständiger Kontrolle, extremer Sensibilität und einem tiefen Verständnis für das, was im Wein geschieht.

Nicht, um ihn zu beherrschen. Sondern um ihn zu begleiten, ohne ihn zu stören.

Dieser Ansatz ist faszinierend, weil er eine oberflächliche Vorstellung von „Nicht-Eingreifen“ umkehrt: Hier bedeutet Nicht-Eingreifen nicht Nachlässigkeit, sondern totale Präsenz. Mehr kontrollieren, um weniger anzufassen. Mehr verstehen, um dem Wein Freiheit zu lassen. Und genau daraus entsteht wohl diese außergewöhnliche Reinheit, Spannung und Vertikalität, die seine Weine auszeichnen.


Biodynamik, keine Sulfite, absolute Präzision

Die Arbeit im Weinberg und im Keller folgt einer Logik höchster Konsequenz. Respekt vor der lebendigen Materie, Suche nach Gleichgewicht, eine Sensibilität, die klar zur Biodynamik tendiert.

Spontangärungen, keine Schönung, keine Filtration und ein Ansatz, der bis zum völligen Verzicht auf zugesetzte Sulfite geht. Doch auch hier handelt es sich nicht um eine Pose oder ein Prinzip um seiner selbst willen.

Dieses Projekt kann so weit gehen, weil dahinter ein außergewöhnliches Maß an Kontrolle und Bewusstsein steht. Als würde wissenschaftliche Präzision in den Dienst maximaler Ausdrucksfreiheit gestellt.

Das Ergebnis sind Weine von großer Reinheit, Spannung und Lebendigkeit. Weine, die nicht gemacht wirken, sondern freigesetzt.


Zeit als bewusste Entscheidung

Ein weiterer Aspekt hat uns besonders beeindruckt. Aymé Vadim ist inzwischen bei seiner 11. Lese angekommen, hat aber bislang nur den dritten Jahrgang auf den Markt gebracht: den Jahrgang 2017, der jetzt bei Chronos Wine erhältlich ist. Der 2017er wurde erst 2024 abgefüllt, nach etwa sieben Jahren Reifung im Fass auf der Hefe. Sieben Jahre.

In Burgund ist das nahezu undenkbar. Selbst die großen Namen bringen ihre Weine viel früher heraus. Hier hingegen gibt es eine klare Haltung: Der Wein wird erst freigegeben, wenn er wirklich bereit ist. Die Zeit selbst zu tragen, damit der Wein seine Form finden kann. Eine starke Entscheidung – und man spürt sie.

Pinot Noir, Gevrey und eine klare Vision. Vadims Arbeit ist extrem fokussiert.


Pinot Noir – fast ausschließlich. Und vor allem Gevrey-Chambertin, das er als seine vollständigste, tiefste und identitätsstiftendste Ausdrucksform betrachtet. Nur Premier und Grand Cru. Nur das, was er als wirklich essenziell erachtet.

Auch darin zeigt sich große Konsequenz: kaum Kompromisse, extrem geringe Mengen, maximale Konzentration von Energie und Aufmerksamkeit. Echte Rarität.

Diese Flaschen sind praktisch nicht auf dem Markt zu finden. Die Mengen sind minimal, die Distribution nahezu nicht existent, und in den letzten Jahren hat der Name begonnen, unter Kennern und Fachleuten zu zirkulieren.

Nicht als kurzlebiger Trend, sondern – wie bei authentischen Projekten – langsam, durch Mundpropaganda, Flasche für Flasche. Und genau das macht Aymé Vadim so besonders:
nicht nur die materielle Seltenheit, sondern das Gefühl, etwas entdeckt zu haben, bevor es unerreichbar wird.


Die Discovery Box im April

Gerade wegen der Einzigartigkeit dieses Projekts haben wir entschieden, ihm die Chronos Discovery Box im April zu widmen. Für uns der schönste und ehrlichste Weg, euch in die Welt von Aymé Vadim einzuführen: ohne Eile, mit Neugier und mit der Zeit, die nötig ist, um zu verstehen, was diese Weine so besonders macht.

Denn das sind keine Weine, die man oberflächlich liest.
Es sind Weine, denen man zuhören muss.

1600 1200 Andrea Rancan
Suchen